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Der Hexenclub

101 minDrama, Fantasy, HorrorFSK 16
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Wer glaubt, Hexen seien alt und häßlich, kennt Sarah, Nancy, Bonnie und Rochelle noch nicht. Die attraktiven High School Girls gründen einen Hexenzirkel, mitten in Los Angeles – ausgerechnet an der katholischen St. Benedict’s Academy. Die Magie bringt ihnen Spaß und erfüllt ihre sehnsüchtigsten Wünsche auf geheimnisvolle Weise. Doch nicht ohne Folgen, denn sie haben eines übersehen: „Was immer Du aussendest, bekommst Du dreifach zurück“. Das macht die smarten Hexen für andere lebensgefährlich: Wer sie ärgert, wird verwünscht! Ihre Rache ist eiskalt und das Unglück nimmt seinen unbarmherzigen Lauf …
  • Veröffentlichung04.07.1996
  • Andrew Fleming
  • 1996
  • 6/10 (2040) Stimmen

Auf dem Markt der esoterischen Weltdeutungen tummelt sich seit den 60er Jahren auch eine Reihe magischer Varianten: Hexenglaube und Animismus, ökologisches Engagement und feministische Geschichtsrekonstruktionen, körperzentrierte Meditationspraktiken und okkulte Riten sind darin zahllose Synthesen eingegangen, in deren Zentrum numinose Mächte stehen, die durch geeignete Methoden und Formeln beschworen werden können. Wer sich in Kursen oder Therapien auf diesen Kosmos bezieht, kann neben diffusen Kollektivvorstellungen meist auch an individuelle Erinnerungen aus Kindheit und Pubertät anknüpfen: an trotzige Allmachtsfantasien oder handfeste Rachegelüste, mit denen in frühen Jahren Situationen der Ohnmacht oder der Überforderung spielerischsymbolisch kompensiert wurden. Andrew Fleming hat sich darüber hinaus auch der Dienste einer offiziellen "Wicca"-Hexe versichert. Als eine Art "theologische" Beraterin sollte sie für Seriosität und Ernsthaftigkeit seiner magischen Emanzipationsgeschichte um vier Außenseiterinnen garantieren, die an einem katholischen College ihre Frustrationen mit Hilfe der Zauberei beheben wollen. Doch trotz des heidnischen Segens und der Beschwörungen urgeschichtlicher Mächte in Gestalt der (fiktiven) Naturgottheit "Manon" kann sich das Unterfangen nicht aus dem simplen Regelwerk der Fantasy-Gefilde befreien.

Als die 17jährige Halbwaise Sarah mit ihrer Familie nach Los Angelos zieht, wird sie dort insgeheim schon erwartet: von Nancy, einem exaltierten Punkgirlie, der durch Brandnarben entstellten Bonnie und von Rochelle, die als einzige Schwarze der Schule immer wieder Ziel rassistischer Übergriffe wird. Durch die introvertierte, depressiven Tagträumen nachhängende Sarah hofft das als "Hexen von Eastwick" verspottete Trio, mit seinen Experimenten in schwarzer Magie endlich Fortschritte zu machen. Es dauert nicht lange, bis ein feierlicher Bund geschlossen ist und die ersten magischen Sprüche zu wirken beginnen. Sarah belegt den arroganten Schnösel Chris mit einem Liebeszauber, auf daß er ihr fortan wie ein treues Hündchen folge, Rochelle rächt sich an ihrer ärgsten Peinigerin, indem diese ihr wunderschönes Haar büschelweise verliert. Bonnies Narben bilden sich zurück und selbst die verbitterte Nancy scheint endlich am Ziel, als sie zusammen mit ihrer trunksüchtigen Mutter plötzlich in Reichtum schwimmt. Berauscht durch das Erlebnis weiblicher Solidarität und einer bislang ungekannten Mächtigkeit, blühen die vier Außenseiterinnen auf. Doch die neue Freiheit dauert nicht lange an. Die Zauberkraft der Junghexen schlägt schnell in Übermut um; die sinistren Seiten der schwarzen Magie fordern ihren Tribut. Vor allem Nancy kennt nach einer machtvollen Beschwörung Manons keine Grenzen mehr: Immer stärker brechen destruktive Energien bei ihr durch, denen sie sich willig überläßt. Die beschwichtigenden Versuche Sarahs, die Gefährtin mit einem Gegenzauber zu stoppen, kommen zu spät: Sie selbst ist längst zur Zielscheibe von Nancys abgrundtiefem Haß geworden.

Im Endkampf, einem albtraumhaften Horrortrip durch ein Meer von Schlangen, Spinnen und anderem Kriechgetier, erlebt Sarah zwar ihre Initiation als "wahre" Hexe, die beide Seiten der Magie, weiße wie schwarze, in sich vereinen kann. Der Film aber, der als durchaus sympathisches Adoleszenzdrama mit einem gewissen Hang zu okkulten Accessoires und Ritualen begann, verliert spätestens hier seinen inneren Zusammenhalt. Trotz der etwas schematischen, allzu offenkundigen Konstruktion des jungen Hexenzirkels und einiger ziemlich plakativen Elemente wie der ostentativen Distanzierung vom Christentum spiegelt sich im Umgang der vier Zauberlehrlinge untereinander doch eine Reihe von Problemen Heranwachsender wider, die im gemeinsamen Experiment mit parapsychologischen Phänomenen wichtige lebensgeschichtliche Erfahrungen machen und sich zu einem neuen Selbstbewußtsein durchringen. Dem kreativen Lernprozeß seiner Heldinnen aber, die gerade inmitten der neu gewonnenen Freiheit auf Grenzen stoßen und mit ihnen einen Umgang finden müssen, weiß Fleming aber nicht anders als mit den Mitteln des Horrorfilms zu begegnen, der das Ungeheure beschwört, ohne Zwischentöne zuzulassen oder Handlungsalternativen zu offerieren. Nancy büßt als Preis für ihren Flirt mit dem Dämon mit der Einlieferung in die Psychiatrie, Bonnie und Rochelle geraten dem Regisseur zeitweilig völlig aus dem Blick, und selbst die neue Wicca-Jüngerin erlangt ihren Status nicht durch innere Wandlung, sondern durch Hilfe von außen: Sarahs verstorbene Mutter war selbst eine Hexe und gibt (woher eigentlich?) den entscheidenden Hinweis. Eine Lösung, die vordergründig-naiv einem magischen Weltbild huldigt, das mit spirituellen Vorstellungen ungefähr so viel zu tun hat wie Klopfen auf Holz: Vom Reifen menschlicher Freiheit oder Übernahme einer erwachsenen Verantwortung ist hier kaum etwas zu spüren.

Veröffentlicht auf filmdienst.deDer HexenclubVon: Josef Lederle (18.9.2026)
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